
Kapitel 15
Ilona tauchte wenige Augenblicke später auf und setzte sich zu Hannelore auf die Bank.
"Was hat`s denn so Tolles gegeben?" Robert konnte seine Neugier kaum verbergen.
Ilona blickte ernst in die Runde.
"Ich erzähle Euch das, aber ihr müßt mir versprechen, mit niemandem sonst darüber zu reden."
Alle nickten Ilona zu.
"Wir sind erpreßt worden ", erklärte Ilona :" wir haben hier jeden Donnerstag eine Tageseinnahme an einen Schutzgelderpresser bezahlt. Ich habe diesem Kerl jede Woche fünfhundert Mark gegeben, das geht schon seit Monaten so. "
"Und, wieso ist das ein Grund zu feiern?"
"War das die Mafia ?" Die Freunde fragten durcheinander.
" Ich glaube er tat nur so. Er war nicht wirklich von der Mafia. Jedenfalls haben wir ihm am vergangenen Donnerstag ein paar Streiche gespielt, wir waren so verzweifelt, wir haben gehofft, wir könnten ihn so erschrecken, daß er nicht wieder kommt. Und heute ist er nicht gekommen. "
"Warum glaubst Du, daß er nicht wirklich von der Mafia war ?" Robert hatte sich eingeschaltet.
"Dann wäre heute jemand Anderes gekommen zum Kassieren aber es war niemand Anderes da." Ilona lachte über das ganze Gesicht.
Robert sah Ronni quer über den Tisch fragend an, der nickte.
"Dann hol doch mal Deinen Mann dazu, er kann doch sicher die Küche mal für fünf Minuten allein lassen !" Ilona nickte Robert zu und ging in die Küche, sie kam sofort mit Gianfranco zurück.
"Jetzt erzählen wir Euch mal eine Geschichte ", fing Robert an .
"Am vergangenen Donnerstag waren hier bei Euch zwei Kerle in einem roten Alfa, beide Italiener, Raffaele Mostotto und Giorgio D`Anzone. Der eine wartete draußen im Auto, der andere kam zu Dir in die Küche. "
"Als er wieder rauskam, hatte er die Hände vorm Gesicht, um so besser, da konnte er die Dachlatte nicht sehen, das hat vielleicht geknallt, als er dagegen trat." Das war Hannelore`s Part.
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"Dabei hat er sich den linken Fuß gebrochen!" Für die Diagnosen im Kreis war Ronni von Bargen zuständig.
"Er kam aus der Pizzeria getaumelt und hat sich in das Auto gesetzt. Leider habe ich ihn mit dem Farbeimer zu spät erwischt." Kurt Fichtner wollte auch etwas beisteuern.
"Und als sie losfuhren, sind sie durch meine Reißnägel gefahren, dabei werden sie wohl einen Platten bekommen haben." Heiner Schwarz wollte sein Licht auch auf den Scheffel gestellt wissen.
"Dann haben wir ihnen ein bißchen Blaulicht gezeigt, einer von der Seite, einer von hinten, da haben sie wohl schon Angst bekommen, die Polizei wäre hinter ihnen her." Rudi Bayer berichtete gewohnt zuverlässig.
"Und weil wir ihnen an der Straße direkt nach Niedenheim eine kleine Falle gestellt hatten, haben wir ganz kurz die Auffahrt auf die Umgehungsstraße gesperrt." ergänzte Rudi seinen Bericht.
"Das wäre gar nicht nötig gewesen, sie sind sowieso immer auf dem direkten Weg nach Niedenheim gefahren." Gianfranco hatte sich eingemischt, er zog sich damit verwunderte Blicke der Gesellschaft zu.
"Woher weißt Du denn das?" fragte Robert.
"Erzählt erstmal fertig, dann sag ich`s Euch!" gab Gianfranco zurück.
" Na ja, leider konnte er dann dem Mähdrescher vom alten Briest ausweichen. Das war nicht eingeplant. Sie sind dann entwischt. Als später Jockel Kurse dazu kam und uns von dem Unfall draußen an der Schnellstraße erzählte sind Hannelore und ich noch rausgefahren, und, siehe da, es waren die zwei. Sie sind da draußen aus der Kurve geflogen, warum, weiß man nicht so genau, der rechte Hinterreifen war platt und die Hinterachse schwer beschädigt, das Auto ist völlig hinüber, die beiden Gangster sind schwerverletzt und liegen noch immer im Krankenhaus. Das Einzige, was wir nicht wissen, ist, woher der eine der beiden Kerle die Verbrennungen im Gesicht hatte. "
Nur die Sache mit der Pistole verschwieg Robert.
Ilona und Gianfranco blieben vor Erstaunen die Münder offenstehen.
"Dann habt ihr das alles gewußt ?"
"Und von selbst etwas unternommen und Euch in Gefahr gebracht?" Ilona sah die Freunde am Tisch lange an, vor Rührung traten ihr Tränen in die Augen. Dann wischte sie mit einem entschlossenen Kopfnicken die Rührung beiseite.
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"Die Verbrennungen hat er in meiner Küche bekommen, ich habe ihn an meinem Pizzaofen verbrannt." Und Ilona erzählte voller Genugtuung, wie sie die Tür aufgestoßen hatte und daß sie es tatsächlich fertiggebracht hatte, die Bratpfanne im richtigen Moment auf den Gangster fallen zu lassen.
"Kein Wunder, daß er die Hände vor dem Gesicht hatte!" lachte Hannelore.
"Die Hinterachse ist von mir." Gianfranco grinste breit.
"Ich habe ihn über mein Stahlseil fahren lassen, draußen an der Straße nach Niedenheim. Ich habe das Ding nur ein bißchen zu spät angezogen, deshalb habe ich ihn nur an der Hinterachse erwischt."
"Deshalb hat das Auto so gebockt !" Robert erinnerte sich lebhaft an den Bocksprung, den der Alfa vollführt hatte.
"Wer hat ihn denn nun wirklich erwischt ?" Heiner wollte es genau wissen.
"Alle ein bißchen, keiner richtig, aber alle ein bißchen, insgesamt jedenfalls gut genug." Robert lachte befreit auf, genauer wollte es wirklich niemand, außer Heiner, wissen.
Ilona sprang auf Robert zu, umarmte ihn , drückte ihm einen Kuß auf den Mund und verschwand mit Gianfranco wieder in der Küche. Während Hannelore noch dabei war, ein Taschentuch für Robert aus ihrer Handtasche zu graben, damit er sich den Lippenstift abwischen konnte, sagte Ronni:
"Und, Wachtmeister, haben wir jetzt denn alles richtig gemacht ?"
" Ich würde es wieder tun !" Robert grinste schon wieder und Ronni, der keinen Kuß abbekommen hatte, wußte, warum.
Die Tür zur Küche in der Pizzeria Vino Oro ging schon wieder auf.
"Es wird serviert !" kündigte Ilona an.
"Was gibt`s denn ?" fragte der neugierige Heiner Schwarz.
Ilona antwortete mit Würde.
"Calzone Nischelbrunn!"
Fortsetzung folgt!
Copyright © 2000-2001 Hans-Jürgen Gehrke
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